Kategorie: Coaching

  • Systemisch arbeiten – was ist das eigentlich?

    Systemisch arbeiten – was ist das eigentlich?

    Menschen handeln nicht im luftleeren Raum. Was wir denken, fühlen und tun, steht in Verbindung mit Beziehungen, Erwartungen und den Bedingungen, unter denen wir leben oder arbeiten.

    Genau hier setzt systemisches Arbeiten an. Statt eine Schwierigkeit vorschnell als Eigenschaft einer einzelnen Person zu erklären, fragt die systemische Perspektive nach Zusammenhängen und Wechselwirkungen. Dadurch werden häufig neue Handlungsmöglichkeiten sichtbar.

    Dieser Beitrag erklärt verständlich, was «systemisch» bedeutet, wie systemische Fragen funktionieren und was du von einer systemisch-lösungsorientierten Beratung erwarten kannst.

    Wie ich diese Haltung praktisch einsetze, erfährst du auch auf der Seite Über mich.

    Was bedeutet systemisch?

    Systemisch zu arbeiten bedeutet, eine Person und ihr Anliegen im Zusammenhang mit ihrem Umfeld zu betrachten. Dazu gehören etwa Familie, Freundschaften, Arbeit, Organisationen, gesellschaftliche Erwartungen und materielle Lebensbedingungen.

    Im Zentrum stehen Wechselwirkungen: Wie beeinflussen sich Beteiligte gegenseitig? Welche Erwartungen treffen aufeinander? Welche Reaktion löst welche Gegenreaktion aus? Und unter welchen Bedingungen wird ein Verhalten verständlich, das für sich allein unlogisch erscheinen könnte?

    Das heisst nicht, dass immer alle Personen an einer Beratung teilnehmen müssen. Auch im Einzelcoaching lässt sich untersuchen, wie Beziehungen, Rollen und Rahmenbedingungen auf ein persönliches Anliegen wirken.

    Ein Beispiel: «Ich kann schlecht Nein sagen»

    Eine rein individuelle Erklärung könnte lauten: «Ich bin eben nicht durchsetzungsfähig.» Eine systemische Betrachtung stellt zusätzliche Fragen:

    • Bei welchen Menschen gelingt ein Nein leichter – und bei welchen kaum?
    • Welche Reaktionen erwartest du, wenn du eine Grenze setzt?
    • Welche Rolle hast du in deiner Familie oder an deinem Arbeitsplatz übernommen?
    • Was ermöglicht dein bisheriges Verhalten – und welchen Preis hat es?
    • Woran würden andere merken, dass du eine Grenze früher wahrnimmst?

    So wird aus einer vermeintlich festen Eigenschaft ein Verhalten, das in bestimmten Situationen entstanden ist und dort möglicherweise eine wichtige Funktion erfüllt. Verhalten, das gelernt wurde, kann oft auch verändert oder ergänzt werden.

    Vier Grundideen systemischen Arbeitens

    Kontext

    Ein Verhalten erhält Bedeutung in einer konkreten Situation. Deshalb fragen wir nicht nur «Was ist los?», sondern auch «Wo, wann und mit wem geschieht es?»

    Wechselwirkung

    Kommunikation verläuft selten in einer geraden Ursache-Wirkungs-Linie. Reaktionen beeinflussen einander und können wiederkehrende Muster bilden.

    Mehrperspektivität

    Menschen können dieselbe Situation unterschiedlich erleben. Systemische Beratung sucht nicht vorschnell nach der einzig richtigen Beschreibung.

    Selbstbestimmung

    Du bleibst kundig für dein Leben. Beratung soll deine Wahlmöglichkeiten erweitern, nicht dir eine fremde Lösung überstülpen.

    Wie zeigt sich die systemische Haltung in der Beratung?

    Systemische Beratung besteht nicht aus einem festen Fragenkatalog. Die Methoden folgen dem Auftrag und der Situation. Häufig werden Perspektivwechsel, Skalierungen, zirkuläre Fragen, Zeitlinien, Visualisierungen oder die Arbeit mit Ausnahmen eingesetzt.

    Im persönlichen Coaching

    Im Coaching für Einzelpersonen kann es zum Beispiel darum gehen, persönliche Entscheidungen, Beziehungen, Übergänge oder Belastungen zu klären. Das Anliegen ist persönlich; der Blick auf das Umfeld hilft, die eigene Situation besser zu verstehen.

    In der Supervision

    In der Supervision für Fachpersonen und Teams bleibt der Auftrag beruflich. Neben dem Handeln einzelner Fachpersonen werden Rollen, Teamdynamiken, Führung, Arbeitsaufträge und organisationale Bedingungen einbezogen.

    In beiden Formaten gilt: Eine gute Frage soll nicht beeindrucken, sondern einen hilfreichen Unterschied ermöglichen.

    Was systemisch nicht bedeutet

    • Nicht: Alles liegt am Umfeld. Persönliche Verantwortung und äussere Bedingungen werden gemeinsam betrachtet.
    • Nicht: Jede Person muss einbezogen werden. Das relevante System kann auch im Einzelgespräch reflektiert werden.
    • Nicht: Jede Sichtweise ist gleich hilfreich. Unterschiedliche Perspektiven werden geprüft, ohne Gewalt, Diskriminierung oder Grenzverletzungen zu relativieren.
    • Nicht: Probleme werden kleingeredet. Belastungen, Risiken und Grenzen dürfen klar benannt werden.
    • Nicht: Beratung ersetzt Behandlung. Coaching und Supervision sind keine Psychotherapie und keine medizinische Versorgung.

    Die DGSF beschreibt systemische Arbeit als kontextsensibel, ressourcenorientiert und auf Selbstorganisation ausgerichtet. Ihre Ethikrichtlinien betonen zugleich Respekt, fachliche Grenzen und die kritische Reflexion der eigenen Annahmen.

    Möchtest du ein Anliegen aus neuen Perspektiven betrachten?

    In einem kostenlosen Kennenlerngespräch klären wir, worum es geht und ob Coaching oder Supervision dafür passend ist.

    Fachliche Quellen

    1. Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie. Was heisst systemisch?
    2. DGSF. Ethik-Richtlinien.
    3. Bachmann, T. & Willermann, L. (2024). Zur Wirksamkeit von systemischem Coaching im Arbeits- und Organisationskontext – eine Metaanalyse.
  • Wann ist Coaching sinnvoll?

    Wann ist Coaching sinnvoll?

    Nicht jede Veränderung beginnt mit einem klaren Ziel. Manchmal merkst du zuerst nur: So wie bisher soll es nicht weitergehen.

    Vielleicht steht eine persönliche Entscheidung an. Vielleicht drehst du dich gedanklich im Kreis oder eine Lebensphase kostet dich viel Kraft. Coaching kann dann einen ruhigen Rahmen bieten, um die Situation zu ordnen und eigene nächste Schritte zu entwickeln.

    Dieser Beitrag erklärt verständlich, wann persönliches Coaching sinnvoll sein kann, was dabei hilft und wo seine Grenzen liegen.

    Einen Überblick über Ablauf und Rahmen findest du auf der Seite Coaching für Einzelpersonen.

    Was ist persönliches Coaching?

    Persönliches Coaching ist ein gemeinsamer Reflexionsprozess. Im Mittelpunkt steht ein Anliegen aus deinem privaten Leben: eine Veränderung, eine Entscheidung, ein Übergang, ein wiederkehrendes Muster oder die Suche nach Orientierung.

    Du bringst das Wissen über dein Leben mit. Ich bringe Fragen, Methoden und einen klaren Prozess mit. Meine Aufgabe ist nicht, dir zu sagen, was richtig ist. Wir untersuchen gemeinsam, was dir wichtig ist, was bereits trägt und welche Möglichkeiten zu dir und deinem Alltag passen.

    Lösungsorientierung bedeutet dabei nicht, Probleme kleinzureden. Belastendes darf benannt werden. Gleichzeitig muss nicht jede Ursache vollständig geklärt sein, bevor eine erste hilfreiche Veränderung möglich wird.

    Wann kann Coaching sinnvoll sein?

    Coaching kann passen, wenn du dein Anliegen aktiv betrachten und eigene Veränderungen entwickeln möchtest.

    Eine Entscheidung steht an

    Mehrere Wege sind möglich und keiner fühlt sich eindeutig richtig an. Coaching hilft, Werte, Wünsche und mögliche Folgen klarer zu sehen.

    Etwas passt nicht mehr

    Du bist unzufrieden, kannst aber noch nicht genau benennen, was sich verändern soll. Auch diese Klärung kann ein sinnvolles Ziel sein.

    Ein Übergang beginnt

    Trennung, Verlust, Umzug oder Neubeginn verändern Gewohntes. Coaching kann helfen, Abschied und nächsten Schritt bewusst zu gestalten.

    Ein Muster wiederholt sich

    Du reagierst in verschiedenen Situationen ähnlich und möchtest neue Möglichkeiten ausprobieren, ohne dich dafür abzuwerten.

    Die Haltung hinter dem Coaching

    Systemisch zu arbeiten bedeutet, eine Situation nicht losgelöst vom Umfeld zu betrachten. Beziehungen, Erwartungen, frühere Erfahrungen und aktuelle Lebensbedingungen können beeinflussen, was möglich oder schwierig ist.

    Lösungsorientiert zu arbeiten bedeutet, neben der Belastung auch die gewünschte Zukunft, Ausnahmen und Ressourcen sichtbar zu machen. Fragen können zum Beispiel lauten: Woran würdest du eine kleine Verbesserung merken? Wann war es schon einmal etwas leichter? Was hast du damals anders gemacht?

    Kurzzeitberatung heisst nicht: schnell und oberflächlich. Gemeint ist: so kurz wie möglich und so lange wie hilfreich. Wir prüfen regelmässig, ob die Gespräche nützen und was du noch brauchst. Du bleibst dabei selbstbestimmt.

    Was sagt die Forschung?

    Die Forschung zu persönlichem Coaching ist noch kleiner als die Forschung zu Coaching in Organisationen. Eine kontrollierte Studie zu einem lösungsfokussierten Life-Coaching-Programm fand Verbesserungen bei Zielverfolgung, Hoffnung und Wohlbefinden. Die Gruppe war jedoch klein; daraus lässt sich keine Erfolgsgarantie ableiten.

    Eine randomisierte Studie mit 225 Personen zeigte, dass bereits die Art der Fragen einen Unterschied machen kann. Lösungsorientierte Fragen stärkten kurzfristig unter anderem das Gefühl, etwas bewirken zu können. Auch hier gilt: Eine kurze Versuchssituation ist nicht dasselbe wie ein vollständiger Coachingprozess.

    Grössere Übersichtsarbeiten finden insgesamt positive Effekte von Coaching. Ein grosser Teil dieser Studien stammt allerdings aus dem beruflichen Umfeld. Diese Ergebnisse dürfen deshalb nicht einfach auf persönliches Coaching übertragen werden.

    Gut untersucht ist ausserdem die Arbeitsbeziehung. Eine Meta-Analyse fand einen mittleren Zusammenhang zwischen einer tragfähigen Zusammenarbeit und dem Ergebnis von Coaching. Das passt zur Praxis: Ziele, Vorgehen und gegenseitige Erwartungen sollten offen besprochen werden.

    Was lässt sich daraus ableiten?

    Coaching kann Veränderung unterstützen, besonders wenn das Anliegen geklärt wird, du dich ernst genommen fühlst und aus dem Gespräch konkrete, passende Schritte entstehen. Ob es hilft, hängt aber immer auch von deiner Situation, deinem Umfeld und der Zusammenarbeit ab.

    Wo liegen die Grenzen von Coaching?

    Coaching ist keine Psychotherapie und ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Es dient nicht dazu, psychische Erkrankungen zu diagnostizieren oder zu behandeln.

    Bei einer akuten Krise, Suizidgedanken oder starken Beschwerden, die den Alltag deutlich beeinträchtigen, braucht es passende professionelle Hilfe. Ein verantwortungsvoller Coach kennt die Grenzen der eigenen Qualifikation und verweist bei Bedarf weiter.

    • Das Anliegen und das Ziel werden gemeinsam geklärt.
    • Du kannst Fragen, Zweifel und Rückmeldungen offen äussern.
    • Methoden werden nachvollziehbar eingesetzt.
    • Der Nutzen der Gespräche wird regelmässig überprüft.
    • Es gibt keine Erfolgsgarantie und keinen Druck, weitere Termine zu buchen.

    Möchtest du dein Anliegen besprechen?

    Im kostenlosen Kennenlerngespräch nehmen wir uns rund 30 Minuten Zeit und prüfen gemeinsam, ob Coaching für deine Situation passend ist.

    Wissenschaftliche und fachliche Quellen

    1. Green, L. S., Oades, L. G. & Grant, A. M. (2006). Cognitive-behavioral, solution-focused life coaching. The Journal of Positive Psychology, 1(3), 142–149.
    2. Grant, A. M. (2012). Making positive change: Solution-focused vs. problem-focused coaching questions. Journal of Systemic Therapies, 31(2), 21–35.
    3. de Haan, E. & Nilsson, V. O. (2023). What can we know about the effectiveness of coaching? Academy of Management Learning & Education, 22(4).
    4. Graßmann, C., Schölmerich, F. & Schermuly, C. C. (2020). Working alliance and client outcomes in coaching. Human Relations, 73(1), 35–58.
    5. International Coaching Federation: Hinweise zur Weitervermittlung an therapeutische Fachpersonen.